Zu klein um zu scheitern

Sind Sie ein Mega – Finanzkonzern? Wenn ja, dann kennen Sie sicher das bestgehütete Geheimnis der Finanz-und Bankenwelt: Sie können schwindelerregende, astronomisch hohe Risiken eingehen, weil Sie ganz genau wissen, dass Sie viel zu gross sind um zu scheitern. Wenn der Supergau kommt und Sie alles verloren haben, ist das für Sie kein Problem: Väterchen Staat wird Sie da wieder raushauen. Garantiert. 

Vielleicht sind Sie aber doch kein Mega – Finanzkonzern. Wenn Sie nämlich einer wären, würden Sie diesen Blog nicht lesen. Mega-Konzerne lesen solche Blogs nicht. 

Diejenigen von uns, die etwas kleiner sind und sich mit den Mega-Konzernen nicht messen können, haben auch ein Geheimnis: Wir sind viel zu klein um zu scheitern und deshalb brauchen wir auch keinen Staat der uns saniert. Und das ist nicht weil wir etwa, gemessen an der Anzahl Mitarbeiter oder Kapital, zu klein sind – nein – wir dürfen ruhig auch gross sein und viele Mitarbeiter haben. Es ist weil wir uns klein verhalten. 

Eine sich klein verhaltende Bank, hätte niemals in hunderttausende von Hypotheken investiert, ohne diese vorher ganz genau zu prüfen. Und ein sich klein verhaltender Unternehmer würde niemals ohne Business Plan dutzende von Mitarbeitern einstellen – um dann die Hälfte zu entlassen, nachdem ihn seine Investoren mit einer furchterregenden PowerPoint Präsentation erschrecken. 

Ich fürchte mich vor Finanzabteilungen in Grosskonzernen. Sie wissen schon, die ganz grossen Abteilungen, wo sich viele fleissige Buchhalter bemühen, die Zahlen so aussehen zu lassen, wie sie der CEO sehen möchte. Wir Kleinen machen halt nur ein gewöhnliches Cash Accounting – was vielleicht auch für die Grossen von Vorteil wäre, weil nämlich dann, früher oder später, die Geschäftsleitung wissen MÜSSTE, was da vor sich geht, anstatt nur das zu „wissen”, was sie wissen MÖCHTE. 

Grossdenkende Unternehmen verlieren Kunden am Laufmeter und zwar genau deshalb, weil sie eben grossdenkend sind und ihre Entscheidungsträger konsequent von der realen Welt isolieren. Verärgerte, abspringende Kunden finden kein Gehör – die entsprechenden Informationen kommen bestenfalls bis zum Mitarbeiter im Callcenter, der sich eventuell noch bemüht, ein Script abzulesen um den Kunden zu besänftigen. Die Chefetage bleibt in der Regel von unangenehmen Feedbacks verschont.

Wenn Sie sich klein verhalten und gross denken sind Sie viel zu klein um zu scheitern. Sie benötigen keine staatliche Sanierung weil sich Ihr Unternehmen die Existenzberechtigung tagtäglich verdienen muss und das, was Sie tun, Sinn macht. Sie brauchen keinen Rettungsplan weil Ihre flache und überschaubare Organisation die Probleme erkennt und entsprechend handelt, bevor diese unlösbar werden. In den meisten Fällen können Sie sich ja nicht einmal selbst entlassen. Wie wollen Sie dann, in der Manier der Grossdenkenden, hunderte oder tausende von Mitarbeitern entlassen? Das geht gar nicht. 

Die Medien stilisieren die Mega-Konzerne bis in den Himmel und sind meines Erachtens Mittäter. Die Super – Exponenten der Grosskonzerne lächeln uns regelmässig von den Titelseiten der einschlägigen Publikationen an (OK, zugegeben, in letzter Zeit etwas weniger). Vergessen werden konsequent die Unternehmen, die nahe beim Kunden und nahe beim Produkt sind – und natürlich auch nahe beieinander. Deshalb meine Meinung: klein denken lohnt sich.

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